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Holland  Der Riesen-damm!!!                                                                                                                               6.11.2005

 Die Niederlande

Teile dieser Landschaft wurde im lauf der Jahrhunderte der Nordsee abgerungen. Kein Wunder dass die Holländer zu den besten Deichbauern und Wasserbauingenieuren der Welt zählen. Nun aber wird ihr Land von einer neuen Gefahr konfrontiert. Klima Veränderungen sorgen schon heute immer wieder für Sturmfluten während sintflutartige Regenfälle die Flüsse häufiger als sonst über die Ufer treten lassen. Können die holländischen Deichbauer auch mit diesen Gefahren fertig werden?

Oder droht nun das Ende einer Kulturlandschaft, die im lauf von zwei Jahrtausenden entstand?

Das Königreich der Niederlande erstreckt sich zwischen Deutschland und Belgien entlang der Nordsee. Der grösste Feind dieses Landes war von je her das Meer. Auch wenn die Niederlande durch die Ozeane erst reich wurden. Vor allem Fischerei und Seefahrt machten das kleine Land einst zur Weltmacht. In vergangenen Jahrhunderten lies sich die Nordsee durch ausgeklügelte Konstruktionen beherrschen. Doch jetzt bedrohen ihre Wassermassen nicht nur Windmühlen und Tulpenfelder, sondern auch Touristenzentren, wie Amsterdam oder Rotterdam, den verkehrsreichsten Hafen Europas.

Der dringende Handlungsbedarf ist längst erkannt.

Noch muss aber entschieden werden an welchen neuralgischen Punkten dem Feind entgegengetreten werden soll. Im Süden des Landes haben die Ingenieure schon Vorkehrungen getroffen. Hier soll der längste Damm der Welt, mit gewaltigen beweglichen Toren die Brandung stoppen. Auch an einer der Mündungen des Rheins wurde schon vorgesorgt. Der grösste Roboter der Erde kann hier einst das Wasser der Nordsee aufhalten.

Doch reichen diese bemerkenswerten Bauten aus um die Sicherheit der Niederlande zu garantieren? Bislang schon. In Zukunft könnten durch globale Klima Veränderungen jedoch ganz neue Gefahren drohen. Das abschmelzen der Polkappen lässt den Meeresspiegel ansteigen. Immer öfter kommt es zu Stürmen deren Wucht die Fluten der Ozeane gegen die Küsten drückt. Grössere Niederschlagsmengen führen zudem zu Überschwemmungen entlang der Flüsse.

Kann irgendeine menschliche Anstrengung die Anlieger angesichts solcher Gefahren noch schützen? Wenn es Ingenieure gibt die diesen Kampf für sich entscheiden könnten, dann kommen sie wohl aus den Niederlanden. Hier trotzt man schon seit Jahrtausenden den Fluten. Ein ganzer Teil der Niederlande sind so genannte Polder, künstliche Landstriche, die von Menschenhand trockengelegt wurden. Durch diese Landgewinnung vergrösserte sich die Fläche der Niederlande im Lauf der vergangenen Jahrhunderte um rund ein viertel. Während im Norden des Landes die riesige Meeresbucht der einstigen Zuidersee zu Poldern gemacht wurde. Eroberten sich die findigen Holländer, im Süden schon seit Jahrhunderten, weite Sumpfgebiete. Selbst eine Landschaft die Anfangs mehr als abweisend war konnte sie nicht abschrecken. Ein Grund mag sicher gewesen sein dass der Boden der so genannten Marschen, besonders fruchtbar war. Der Boden wurde von zahlreichen Flüssen genährt, darunter vor allen der Rhein. Dieser mehr als 1300 km lange Strom, teilt sich in den Niederlanden in mehrere Nebenarme. Seit Uhrzeiten hinterließ er hier bei jedem Hochwasser wertvolle Sedimente.

Wer dieses fruchtbare Land trocken legte, könnte besonders gute Ernten einfahren.

Die ersten Siedler bauten ihre Höfe auf künstlichen Erhöhungen, sie wurden Warften genannt.

Das fruchtbare Land zwischen den Höfen wurde bei Hochwasser überschwemmt. Um die Ackerflächen vor den Fluten zu schützen wurden bald Dämme zwischen den Warften errichtet. So genannte Flapptore liessen das Wasser zwar ablaufen aber kein Neues nachlaufen. Sobald die Polder hinter den Deichen aber austrockneten, sackte ihr Boden ab bis er schließlich unter dem Meeresspiegel lag. Für die Polderbewohner wurde es unmöglich die Flächen noch trocken zu halten. Nicht das Meerwasser war jetzt die größte Gefahr, sondern Hochdrückendes Grundwasser und die Niederschläge. Der Kampf gegen das Nass wurde zu Sisyphusarbeit. Eine Situation die sich erst änderte als im 16. Jahrhundert die Windmühle erfunden wurde. Was heute nur als Touristenattraktion überlebt war einst das wichtigste Hilfsmittel für die Trockenlegung der Marschen. Diese Bauwerke dienten hier meist nicht als Mühlen, sie waren die ersten grossen Wasserpumpen der Welt. Die steife Brise von der Nordsee diente über mehrere Übersetzungen als Antrieb eines grossen Schöpfrades.

Vor vierhundert Jahren war diese Erfindung die Lösung für alle Dränageprobleme.

Eine einzelne Mühle kann das Wasser aber nur bis in eine bestimmte Höhe heben. Die Niederländer bauten deshalb ganze Gruppen von Mühlen und ein ausgedehntes Netzwerk von Kanälen. Über die das Wasser nach und nach immer höher befördert wurde. Vom tiefsten Punkt im Inland bis über die Deichkrone. Mit Hilfe der Mühlen, konnten immer grössere Flächen trockengelegt werden. Ganz allmählich nahm das Land seine heutige Form an. Die Windmühlen sind längst von Diesel oder Elektropumpen abgelöst worden. Tausende dieser Pumpen sind Tag und Nacht in Betrieb um das überschüssige Wasser aus dem Boden zu ziehen. Noch heute bewegen die Schöpfwerke im Land, Milliarden Liter Wasser pro Jahr. Und das selbst unter normalen Witterungsverhältnissen.

Der Sieg über das Wasser war eine historische Leistung.

Jeder neue Hof, jedes prachtvolle Stadthaus, jede Kathedrale auf dem gewonnenen Land war, wie ein Symbol für den Erfindungsgeist und den Willen der Niederländer.

Je erfolgreicher die Landgewinnung aber betrieben wurde desto grösser wurde die Gefahr. Immer schneller konnten große Flächen trocken gelegt werden, die zugleich aber auch immer schneller sanken. Ein Dilemma, dass zur Bedrohung für ein Land wurde, dass schon heute gefährlich weit unterhalb des Meeresspiegels liegt.

Dazu kommt ein weiteres Phänomen die Flüsse der Niederlande sind so genannte Dammflüsse die aus dem Binnenland angeschwemmten Sedimente lassen ihr Bett mitsamt Ufer immer weiter in die Höhe wachsen, bis der Wasserspiegel oft mehrere Meter höher liegt als das umliegende Land. Ihre Wassermassen werden fast überall nur durch Deiche eingedämmt. Auch an der See stehen Deiche oder aber ihre natürlichen Vorbilder, Dünen. Ihr Erhalt ihre Sicherheit ist eine ständige Sorge für die Niederländer. Sollte einer der Deiche egal wo im Land eines Tages undicht werden könnte das zur Katastrophe führen.

Diese Gefahr ist hier jedem nur allzu bewusst. In der Geschichte des Landes kam es immer wieder zu Flutkatastrophen die Hundert-tausenden das Leben kosteten und über Nacht ganze Regionen unkenntlich machten.

Die wohl schlimmste Flut in der Geschichte ereignete sich im Jahr 1287. Während dieser Flut brachen die Deiche im Norden des Landes unter den Wassermassen der See. Die Holländische Küstenlinie veränderte sich für immer. Die Flut hatte die Zuidersee geschaffen eine riesige Bucht die tief ins Landesinnere reichte. Am südwestlichen Ufer der Zuidersee wurde aus dem Fischerdorf Amsterdam eine blühende Stadt. Die im 17 Jahrhundert gar zum wichtigsten Handelszentrum Europas avancierte. Doch die Stadt hatte immer wieder mit den Fluten zu kämpfen noch 1916 drängte die Nordsee in die Zuidersee. Dutzende Deiche brachen. Gleich nördlich von Amsterdam wurden tausende Menschen obdachlos.

Schon 1913 hatte es einen Plan zur Schließung der riesigen Bucht gegeben. Aber erst die Sturmflut drei Jahre später führte zu einem Umdenken bei den Behörden. Nun wurde beschlossen dass die Zuidersee gezähmt werden sollte. Im April 1927 begann der Bau des Deichs der Nordholland und Friesland verbinden sollte. Das ganze Land fieberte mit seinen Erbauern.

Geplant waren ein breiterer und ein schmalerer Damm aus Lehm. Die in 100 Meter Abstand nebeneinander gebaut und dann mit Sand aufgefüllt wurden. Die Dämme aus Lehm mussten allerdings vor der Kraft der anstürmenden Wassermassen geschützt werden. Matten aus Weidengeflecht sollten die Erosion minimieren. Tausende von Arbeitern fertigten rund 1 ½ Millionen Quadratkilometer dieses Flechtwerks. Dieses Geflecht wurde mit Millionen Tonnen Gestein beschwert. Dann wurden die Dämme mit Sand aufgefüllt. Ein riesiger Damm 30 km lang und 100 Meter breit. Viele Millionen Tonnen Steine befestigten die Seiten von diesem entstandenen Deich. Im Mai 1932 war dieser Deich fertig. Die Niederländer hatten den Kampf gegen die Wellen zumindest für diese damalige Zeit gewonnen. Es war der grösste Deich der Geschichte. Damals ein Bollwerk welches die Wassermassen bei Hochwasser um 4 Meter überragte. Die Nordsee war gebändigt. Aber auch hinter dem Deich wurden kleinere Dämme errichtet. Dann wurde das Wasser abgepumpt und somit legten die Niederländer einen Abschnitt von 165000 Hektar in 40 Jahren trocken. Das grösste Landgewinnungsprojekt der Niederlande. Die Polder. Es dauerte 10 bis 25 Jahre bis dieses Land trocken genug war um Häuser darauf zu bauen. Oder auch Landwirtschaft zu betreiben. Dieser Deich war eine Ingenieurkunst der Holländer. Die Menschen im Norden des Landes mussten sich nicht mehr vor Sturmfluten fürchten. Weiter Südlich 150 Kilometer, wo Rhein, Maas und Schelde ein Flussdelta bilden, war eine weitere Gefahr. Nach dem Krieg wurden die Deiche nur notdürftig ausgebessert. In der Nacht zum 1. Februar 1953 kam es dann zur Katastrophe. Ein Orkan traf mit einer Springflut zusammen und die Wassermassen drängten gegen die vernachlässigten Deiche. An sehr vielen Stellen brachen die Deiche. Dazu auch noch in der Nacht und viele Menschen wurden im Schlaf überrascht. Viele Ortschaften wurden fast vollständig vernichtet. Menschen kletterten auf ihr Hausdach doch diese waren nicht hoch genug. Familien ertranken oder die einstürzenden Häuser erschlugen die Bewohner. 1835 Menschen verloren ihr Leben. Bis 70 Kilometer im Landesinneren war Salzwasser. Ein Jahr dauerte es bis die Felder wieder trocken, und die Deiche wiederhergestellt waren. Auch die Psychischen Folgen waren enorm, weil jeder wusste diese Katastrophe kann immer wieder geschehen. Die Deiche im Norden des Landes konnten den Süden nicht schützen. Die Landschaft stellte die Ingenieure vor sehr schwerwiegende Probleme. Im Süden mussten mehrere Flussmündungen berücksichtigt werden. Die Deichbauer standen vor der grössten Aufgabe in der Geschichte der Niederlande. Schon 1958 wurde deshalb der so genannte Deltaplan verabschiedet. Es wurde ein unvorstellbares Bauvorhaben der damaligen Zeit. In 40 Jahren wurde die Küste um 700 Kilometer Angriffsfläche verkürzt. 1967 war nur noch die Mündung der Oosterschelde nicht verschlossen. Hier war das grösste Delta des Landes und es wurden gewaltige Wassermassen bei Ebbe und Flut bewegt. Aber diese genialen Deichbauer konnte das nicht aufhalten. Doch schon am Anfang des Baudammes kam es zu Protesten, weil der geplante Deich zu sehr in Natur und Ökosystem eingriff. Naturschützer, Fischer und Muschelzüchter protestierten. Das völlig intakte Salzwasser, Ökosystem, wäre verloren gegangen. Der Bau wurde gestoppt. Es wurde nach einer neuen Lösung gesucht. Wie man das Land schützen konnte ohne dass die Küstenfischerei und auch die Natur zerstört werden konnte. Bis zum Jahr 1974 wurde eine Lösung gefunden. Man entschied sich für ein offenes Wehr. Genial aber sehr schwierig. Die Ingenieure entwarfen eine riesiges Stauwehr welches bei Sturm geschlossen werden konnte, aber das Meerwasser nicht behinderte einzufließen. Es wurde ein Stauwerk aus 65 gewaltigen Pfeilern entworfen. Diese Pfeiler sind 45 Meter hoch und sind 18000 Tonnen schwer. Dazwischen wurden verschließbare Stahltore angebracht. Das Gewicht dieser Stahltore liegt zwischen 300 bis 500 Tonnen. In normalen Verhältnissen bleiben diese Tore geöffnet nur bei einer gefährlichen Meerwasser-höhe schließen diese Wehre sich bis auf den Meeresgrund. Das Land ist vor der Sturmflut geschützt. 1986 wurde die Oosterscheldesperre fertiggestellt. Diese Spezialisten im Damm-bau rechnen, dass dieses Bollwerk von einem Staudamm 200 Jahre funktioniert. Über dieses Meisterwerk der Baukunst läuft heute eine Strasse. Seit dieses Bollwerk der Oosterschelde errichtet wurde ist für die Überlebenden von 1953 ein Traum in Erfüllung gegangen. Noch aber gab es eine Schwachstelle. Dem Schiffahrtsweg nach Rotterdam dem grössten Hafen Europas. Mehr als 30000 Schiffe befahren diese Seestraße. Einer der Mündungsarme des Rheins. Dieser Weg könnte nicht nur Rotterdam, sondern auch den dicht besiedelten Teil der Niederlande, mit Städten wie Rotterdam, Den Haag und Amsterdam, überfluten. Dieser Schifffahrtsweg musste noch gesichert werden. Ohne die Schifffahrt zu behindern. Doch ohne zusätzlichen Schutz, könnte es im dicht besiedelten Großraum, zur Katastrophe kommen. 1991 wurde auch dieses Ziel, von einer neuen Generation von Meistern im Damm-bau, in Angriff genommen. Eine Konstruktion mit zwei riesigen Schwenkarmen wurde gebaut. Wiederum ein Meisterwerk der Niederländer. Der grösste Damm und Roboter der Welt wurde erstellt. Dieses Bollwerk wird von Computern vollautomatisch überwacht und im Notfall automatisch geschlossen. Im Mai 1997 wurde dieses Meisterwerk der Technik fertiggestellt. Dies kostete 3 Milliarden Euro. Die Niederlande sind besser geschützt, als viele andere Länder, gegen die Macht der Sturmflut.

Doch kann dieser Damm der Naturgewalt die in heutiger Zeit immer heftigere Stürme, höherer Meeres-wogen, ausgelöst durch die globale Erderwärmung, an der wir alle Verantwortungslos dazu beitragen, widerstehen?

Auch in den Niederlanden verändert sich das Wetter. Die Stürme werden immer bedrohlicher. Wenn diese in der Zukunft noch bedrohlicher werden, kann es in den Niederlanden, sowie in anderen Ländern zu tropenartigen Stürmen kommen.

Aber auch noch ein neuer Feind zeigt sich in den vergangenen Jahren an.

Durch die globale Erderwärmung ausgelöst?

Die Niederländer werden an zwei Fronten gegen die Wassermassen kämpfen müssen.

Nicht das Meer, sondern die Flüsse im Inland, welche durch die zunehmenden Niederschläge, Überschwemmungen verursachen. Dazu gehört der Rhein. Jahrhunderte haben die Deiche die kleinen Ortschaften im Hinterland der Niederlande vor Überschwemmungen bewahrt. In den letzten Jahren, lassen ungewöhnlich starke Regenfälle den Pegel des Rheins immer höher ansteigen. Wir haben erlebt, dass die Deiche nicht mehr den Wassermassen standhalten können. Es kommt zu Überschwemmungen. Wenn nur die hälfte der Vorhersagen von führenden Wissenschaftlern eintreten. Wird der Rhein, und nicht das Meer, zur Bedrohung der Niederländer werden. Häuser werden einfach weggeschwemmt und grosse Teile der Niederlande werden überflutet. Wie viel Menschenleben wird das kosten?

In den Niederlanden sind schon Überlegungen gemacht worden, die Flüsse nicht weiter zu begradigen, sondern Stauzonen einzurichten. In diese Stauzonen könnte das Wasser geleitet werden um Überschwemmungen zu vermeiden. Umdenken ist das Schlüsselwort man überlässt den Flüssen freiwillig einige Flächen als Schwemmland. Natürliche Stauseen. In den Niederlanden denken die Ingenieure nicht mehr an die Landgewinnung, sondern denken darüber nach welche Gebiete sich als Überschwemmungsgebiete eignen könnten. In der Zukunft könnte dieses Umdenken zum Überleben von ganzen Völkern werden.

Nicht nur für die Niederlande!
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